Sildenafil Wirkung – PDE-5-Hemmung einfach erklärt
Der cGMP-Signalweg: So wirkt Sildenafil
Die Wirkung von Sildenafil basiert auf der Hemmung des Enzyms Phosphodiesterase Typ 5 (PDE-5). Um den Mechanismus zu verstehen, hilft ein Blick auf die normale Erektionsphysiologie.
Schritt 1: Sexuelle Stimulation setzt NO frei
Bei sexueller Erregung setzen Nervenenden in den Schwellkörpern Stickstoffmonoxid (NO) frei. Ohne sexuelle Stimulation bleibt der gesamte Mechanismus inaktiv – Sildenafil wirkt nicht ohne Erregung.
Schritt 2: NO aktiviert cGMP
NO aktiviert das Enzym Guanylatzyklase, das den Second Messenger cGMP (zyklisches Guanosinmonophosphat) produziert. cGMP entspannt die glatte Muskulatur in den Schwellkörper-Arterien und ermöglicht den Bluteinstrom.
Schritt 3: PDE-5 baut cGMP ab
Normalerweise baut das Enzym PDE-5 das cGMP schnell wieder ab, was die Erektion beendet. Bei erektiler Dysfunktion kann dieser Abbau zu schnell erfolgen oder die cGMP-Produktion reicht nicht aus.
Schritt 4: Sildenafil hemmt PDE-5
Sildenafil blockiert PDE-5 kompetitiv und verhindert den cGMP-Abbau. Dadurch steigt der cGMP-Spiegel, die Muskelentspannung wird stärker und der Bluteinstrom in die Schwellkörper verbessert sich.
Wirkungseintritt und Wirkungsdauer
Die Pharmakokinetik von Sildenafil bestimmt, wann und wie lange die Wirkung anhält.
Resorption und Tmax
Nach oraler Einnahme wird Sildenafil schnell resorbiert. Die maximale Plasmakonzentration (Tmax) wird nach 30–120 Minuten erreicht – im Median nach 60 Minuten. Bei nüchternem Magen kann Tmax bereits nach 30 Minuten erreicht sein.
Halbwertszeit: 3–5 Stunden
Die Eliminationshalbwertszeit beträgt ca. 3–5 Stunden. Die klinisch relevante Wirkung hält 4–6 Stunden an. Danach nimmt die erektionsfördernde Wirkung deutlich ab.
Bioverfügbarkeit: ca. 41 %
Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt im Mittel 41 % (Bereich 25–63 %). Der First-Pass-Metabolismus in der Leber (CYP3A4, CYP2C9) ist der Hauptgrund für die begrenzte Bioverfügbarkeit.
Selektivität und Off-Target-Effekte
Sildenafil hemmt nicht nur PDE-5, sondern in geringerem Maß auch andere Phosphodiesterase-Isoformen.
PDE-5-Selektivität
Sildenafil ist etwa 10-fach selektiver für PDE-5 als für PDE-6 (Netzhaut) und über 80-fach selektiver als für PDE-1, PDE-2, PDE-3 und PDE-4. Die Selektivität erklärt das Nebenwirkungsprofil.
PDE-6-Hemmung in der Netzhaut
Die partielle Hemmung von PDE-6 in den Photorezeptoren der Netzhaut erklärt die für Sildenafil charakteristischen Sehstörungen (bläuliches Sehen, erhöhte Lichtempfindlichkeit). Tadalafil hat eine höhere PDE-5-Selektivität und verursacht daher weniger Sehstörungen.
Pulmonale Hypertonie
PDE-5 kommt auch in der Lungenarterie vor. Sildenafil (als Revatio, 20 mg) ist daher auch zur Behandlung der pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH) zugelassen – ein völlig anderes Anwendungsgebiet.
Häufig gestellte Fragen
Ärztliche Beratung
Lassen Sie sich beraten, ob Sildenafil für Sie geeignet ist. Der Arzt entscheidet individuell über die Verordnung.
Zur ärztlichen BeratungPflichthinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
Medizinischer Hinweis
Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.Sildenafil ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Die Entscheidung über eine Verordnung liegt ausschließlich beim behandelnden Arzt.